Monatsarchiv: Januar 2012

Ilford Delta 3200 – oder: “Gib mir das Gefühl zurück”

Ich gebe unumwunden zu, dass ich der analogen Bildanmutung vollkommen verfallen bin. Bei Bildbänden von z.B. Denis Hopper “Photographs 1961 – 1967” bedauere ich manchmal, dass ich zu dieser Zeit noch zu klein war um fotografisch mitmischen zu können..

Was liegt also näher, als mit dem heute noch verfügbaren Filmmaterial dieser guten alten Zeit zu arbeiten. Aus diesem Grund habe ich auch immer reichlich Kodak TriX 400 im Kühlschrank und nutze ihn immer dann wenn es heißt “Gib mir das Gefühl zurück”.

Es gibt allerdings die schummrigen Momente, also die ganz Lichtschwachen, bei denen mir das Ergebnis eines gepushten TriX 400@1600 einfach zu steil ist. Bei einem dieser Momente kam dann auch ein Ilford Delta 3200 zum Einsatz.

Es war eines meiner Homeshootings bei denen ich sowohl das Model als auch die Wohnung des Models zum ersten mal sah. Ich mag diese Herausforderung und als ich das fensterlose Bad sah, in dem wir starten wollten, kam mir der Gedanke, ob nicht ein Nachtsichtgerät besser geeignet wäre als meine Mamiya 645 AF.

Ein raumbreiter Spiegel, reichlich weiße Kacheln und Licht von oben trieben mir die ersten Schweissperlen auf die Stirn. Was blieb mir anderes übrig als mit einem “Hilfslicht” dunkle Augenhöhlen und Nasenschatten zu vertreiben. Der Belichtungsmesser zeigte Bei ISO 1600 Blende 2.8 an, also “optimale” Bedingungen.

Ich legte einen 120er Rollfilm Ilford Delta 3200 in meine Mamiya 645 und belichtete allerdings wie 1600 ISO. Den Film entwickelte ich anschließend mit Kodak Xtol unverdünnt, 7.30 Min bei 20°. Anschließend scannte ich die Negative mit meinem Filmscanner Nikon LS8000, legte eine Tonwertkorrektur an und FERTIG.

Was soll ich sagen, mein erster Eindruck ließ ein Gefühl der Zufriedenheit aufkommen. Der Delta 3200@1600 war bei Weitem nicht so steil wie ich es von einem gepushten TriX 400@1600 gewohnt war und passte genau zu meiner Bildstimmung.  Dazu reichlich von dem Korn, dass ich bei dieser Art der Bildergeschichten so mag - ich habe mich schon wieder verliebt.

Für die Techniker unter Euch:
Ilford Delta 3200@1600
120 Rollfilm
Mamiya 645 AF
80 mm, 2.8
Xtol Stamm, 7.30 Min, 20°
Agitation: ersten 30 Sekunden ununterbrochen, alle 30 Sek. 4 mal (innerhalb 5 Sekunden)

Viel Spass – Bogi


Missglückte Fotos mit Charme

Eigentlich ist die Aufnahme daneben gegangen, dachte ich nach der Entwicklung, als ich den Film scannte und am Rechner betrachtete. Stark unterbelichtet zeigen sich die Negative und mir fiel der Satz ein; „bei analogem Material belichtet man auf die Schatten“. Digital fotografiert, hätte ich dieses Bild vermutlich sofort gelöscht.

Grobes Korn, zugelaufene Tiefen und reichlich Staub……irgendwie gefällt es mir dann doch.
Es gibt ja Menschen, die soetwas mit Photoshop kreieren.

Das Resultat meines Belichtungsfehlers sieht irgendwie VINTAGE aus und macht mir Spass. Ich könnte jetzt natürlich behaupten, dass ich dieses Ergebniss erzielen wollte, aber das wäre ja ein bischen geschwindelt.

Also, werft nicht alles sofort weg, bzw. drückt nicht sofort den Löschbuttom.

Wen es interessiert:

120 Film Kodak TriX 400@1600
Xtol 1:1
Scan vom Negativ