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Analoge Fotografie – fotografieren ohne Belichtungsmesser

Ich erinnerte mich kürzlich an meine erste Kamera - es war eine Rollfilmkamera und ich war etwa 12 Jahre alt.
Fotografieren schien mir nicht sonderlich schwierig, denn eingestellt wurde lediglich die Entfernung und die wurde geschätzt, sowie die Belichtung.
Aber auch die Belichtung war nicht kompliziert, denn zur Auswahl gab es nur SONNE, BEDECKT und WOLKEN. Das war für mich mit 12 Jahren machbar.

Als ich letzte Woche meine Pentacon Six die die Hand nahm dachte ich mir, dass man doch auch auf einen modernen Belichtungsmesser irgendwie verzichten können müsste – ging doch früher auch. Ich wollte mal nur mit dieser alten Kameratechnik los ziehen und Bilder machen.
Für diejenigen die es nicht wissen; die Pentacon Six hat im Betrieb mit Lichtschaft keinen Belichtungsmesser.

Sonne lacht – Blende acht, haben ja einige ältere Jahrgänge noch in Erinnerung, oder wie man im angelsächsischen sagt: sunny sixteen. Da ich aber keine Lust hatte nur mit einer Blende und einer Iso zu knipsen und das Kopfrechnen im Vorfeld der Aufnahme meine Kreativität stört, musste ein Hilfsmittel her.

Als Hilfsmittel bin ich auf die Belichtungstabelle von Andrew R. Lawn gestossen. Die ist wunderbar gemacht und funktioniert zusammengeklebt wie ein kleiner Belichtungsrechenschieber.

Gestern war es dann soweit.
Ohne künstlerischen Anspruch zog ich los, ausgestattet mit einer Pentacon Six, einem Kodax TriX 400, dem Belichtungsrechenschieber und meinem Hund.
Es war ein komisches Gefühl so ohne ektronische Helfer und ohne die Möglichkeit nach dem Auslösen direkt das Ergebnis beurteilen zu können. Die Auseinandersetzung mit der Lichtsituation, die Beurteilung von Helligkeit und Schatten war allerdings sehr intensiv und ich merkte, dass ich mich viel bewusster mit der Lichtsituation auseinandersetzte als sonst üblich.

Natürlich habe ich den Film unmittelbar nach dem Spaziergang entwickelt, für Interessierte wie folgt:
Entwickler: Xtol 1:1
Temperatur: 20°
Zeit: 8.45 Min (30 Sekunden Bewegung, danach alle 30 Sekunden für 5 Sekunden)

Die Ergebnisse seht ihr hier auf der Seite verteilt. Die Negative wurden mit einem Coolscann ED 8000 eingescannt.

Fazit:
Fotografieren ohne Belichtungsmesser lediglich mit Belichtungstabelle funktioniert ganz gut. Es ist sicherlich nicht für Fineart-Fanatiker geeignet, aber aufgrund des Belichtungsspielraums von SW-Filmen sind gute Ergebnisse problemlos möglich. Es ist eine schöne Erfahrung und fördert mit Verstand zu fotografieren.

Unbedingt mal versuchen, es macht Freude! Hier nochmal der Link zum Exposure Calculator und vielen Dank an Andrew R. Law der diese schöne Anleitung ins Netz gestellt hat.

Bogi


Ilford Delta 3200 – oder: “Gib mir das Gefühl zurück”

Ich gebe unumwunden zu, dass ich der analogen Bildanmutung vollkommen verfallen bin. Bei Bildbänden von z.B. Denis Hopper “Photographs 1961 – 1967” bedauere ich manchmal, dass ich zu dieser Zeit noch zu klein war um fotografisch mitmischen zu können..

Was liegt also näher, als mit dem heute noch verfügbaren Filmmaterial dieser guten alten Zeit zu arbeiten. Aus diesem Grund habe ich auch immer reichlich Kodak TriX 400 im Kühlschrank und nutze ihn immer dann wenn es heißt “Gib mir das Gefühl zurück”.

Es gibt allerdings die schummrigen Momente, also die ganz Lichtschwachen, bei denen mir das Ergebnis eines gepushten TriX 400@1600 einfach zu steil ist. Bei einem dieser Momente kam dann auch ein Ilford Delta 3200 zum Einsatz.

Es war eines meiner Homeshootings bei denen ich sowohl das Model als auch die Wohnung des Models zum ersten mal sah. Ich mag diese Herausforderung und als ich das fensterlose Bad sah, in dem wir starten wollten, kam mir der Gedanke, ob nicht ein Nachtsichtgerät besser geeignet wäre als meine Mamiya 645 AF.

Ein raumbreiter Spiegel, reichlich weiße Kacheln und Licht von oben trieben mir die ersten Schweissperlen auf die Stirn. Was blieb mir anderes übrig als mit einem “Hilfslicht” dunkle Augenhöhlen und Nasenschatten zu vertreiben. Der Belichtungsmesser zeigte Bei ISO 1600 Blende 2.8 an, also “optimale” Bedingungen.

Ich legte einen 120er Rollfilm Ilford Delta 3200 in meine Mamiya 645 und belichtete allerdings wie 1600 ISO. Den Film entwickelte ich anschließend mit Kodak Xtol unverdünnt, 7.30 Min bei 20°. Anschließend scannte ich die Negative mit meinem Filmscanner Nikon LS8000, legte eine Tonwertkorrektur an und FERTIG.

Was soll ich sagen, mein erster Eindruck ließ ein Gefühl der Zufriedenheit aufkommen. Der Delta 3200@1600 war bei Weitem nicht so steil wie ich es von einem gepushten TriX 400@1600 gewohnt war und passte genau zu meiner Bildstimmung.  Dazu reichlich von dem Korn, dass ich bei dieser Art der Bildergeschichten so mag - ich habe mich schon wieder verliebt.

Für die Techniker unter Euch:
Ilford Delta 3200@1600
120 Rollfilm
Mamiya 645 AF
80 mm, 2.8
Xtol Stamm, 7.30 Min, 20°
Agitation: ersten 30 Sekunden ununterbrochen, alle 30 Sek. 4 mal (innerhalb 5 Sekunden)

Viel Spass – Bogi