Erfahrungsbericht SIGMA DP1


„Leidenschaftlicher, anspruchsvoller Fotograf sucht für seine Geschäftsreisen und Alltagssituationen ebensolche Begleitung, die mit ihm schlank und unauffällig die Leidenschaft teilt. „

So oder so ähnlich könnte die Annonce aussehen mit der ich mich auf die Suche nach einer Zweitkamera begeben würde. Der Wunsch nach einer kleinen aber hochwertigen Zweitkamera entstand auf diversen Geschäftsreisen und auch Familienurlauben bei denen mir meine DSLR einfach zu groß war oder einfach nicht mehr ins Gepäck passte. Die Bildqualität sollte dabei meiner DSLR in nichts nachstehen – gibt es so etwas?

Ja! sagen die Macher der Sigma DP1, wobei Testberichte diverser Fotozeitschriften diese Meinung nicht uneingeschränkt teilen. Was bleibt mir also anderes übrig, als die Kamera eigenhändig auf meine speziellen Bedürfnisse hin zu testen. Die Verleihaktion von SIGMA kam mir daher sehr gelegen und schneller als ich erwartete stand mir eine DP1 für 14 Tage zur Verfügung.

Klein – Schwarz – Edel

Der erste Eindruck ist positiv. Das kleine schwarze Gehäuse aus Metall wirkt edel und hochwertig. Funktionsknöpfe und das Einstellrad sind an den richtigen Stellen und machen ebenfalls einen soliden Eindruck. Lediglich der Powerknopf ist ein wenig klein geraten und liegt so dicht am Einstellrad, dass ein Mann mit großen Händen schon spitze Finger machen muss. Der Objektivdeckel sitzt gut und lässt sich leicht entfernen, doch beim Aufsetzten stellen sich Schwierigkeiten ein. Irgendwie will das Ding nicht wieder drauf. Ein Blick in die Gebrauchsanweisung klärt auf – und einmal den Trick raus, funktioniert es wunderbar.

Einschalten und los?
Nach dem Einschalten vergeht die für digitale Kompakt-Kameras übliche Wartezeit bis das Gerät einsatzbereit ist. Mit einem Druck auf den Menuknopf erreicht man das übersichtliche Menu und kann ohne großes Suchen die gewünschten Einstellungen vornehmen.

Der Autofokus geht gemütlich zur Sache und hat am liebsten unbewegte Objekte vor der Linse. Wie bei allen mir bekannten digitalen Kompakt-Kameras dauert das Fokussierung auch bei der DP1 einfach zu lange um lebhafte Situationen gezielt im richtigen Moment abzulichten. Will man den Autofokus umgehen, bietet die DP1 einen MF-Modus, der schnell per Wippschalter aktiviert ist und mittels eines kleinen Rades die Entfernung von 0,3 m – einstellen läßt. Damit läßt sich in vielen Situationen tatsächlich der Autofokus umgehen und dank des 16,6 mm Objektives (28 mm äquivalent zu Kleinbild) entstehen trotzdem meistens scharfe Bilder. Das erinnert ein wenig an die analoge Fotografie zu Zeiten als die Entfernung noch geschätzt wurde.

Wer nun meint, dass er lediglich den AF-Modus umgehen muss um schnelle Bilder in Folge machen zu können, der wird entäuscht. Im MF-Modus löst die Kamera zwar unmittelbar aus und der erfahrene Fotograf wird dank geschätzter Entfernung den richtigen Moment auch scharf im Kasten haben, aber die Speicherzeit die die DP1 nach dem Auslösen benötigt ist beachtlich. Fotografiert man im RAW-Modus, so legt man zwischen jedem Bild eine Zwangspause von ca. 5 Sekunden ein und erlebt weitere 5 Sekunden eine blinkende LED, die das Speichern anzeigt. Das ist wirklich langsam, zu langsam und ich denke dass SIGMA hier in der Pflicht ist. Bei JPG´s geht das ganze ein wenig schneller, aber trotzdem zu langsam im Vergleich mit anderen digitalen Kompakt-Kameras und zu langsam für Bilder in schneller Folge.

Bildqualität

Eine Kompakt-Kamera mit großem Chip und der Bildqualität einer DSLR?! Das ist der Traum vieler Fotografen, die aus welchen Gründen auch immer, nicht überall ihre Ausrüstung dabei haben wollen oder können. Kann die DP1 diesen Wunsch erfüllen?

Im JPG Modus legt die Kamera eine ordentliche Qualität hin und kann im Vergleich mit meiner Nikon DSLR mithalten. Schaut man sich die Beispiele mit PS unter 100% Ansicht an, so gibt es nicht viel zu meckern.

Nachfolgende Bilder aus der DP1, unkomprimiert und ohne weitere Bearbeitung geben einen Eindruck.

JPG-Modus
http://www.file-upload.net/member/view_8230_SDIM0029.JPG.html
http://www.file-upload.net/member/view_8230_SDIM0032.JPG.html
http://www.file-upload.net/member/view_8230_SDIM0120.jpg.html

RAW-Modus,  TIFF 16bit
Von Beispielbildern im RAW, bzw TIFF-Format nehme ich aufgrund der Dateigröße und der Uploadzeiten Abstand.

Die RAW Dateien werden mit dem SIGMA RAW-Konverter Photo Pro 2.5 geöffnet und bearbeitet. Der Konverter arbeitet schnell und bietet diverse Einstellmöglichkeiten wie Belichtung, Spitzlichter, Schatten, Schärfe, Sättigung etc., kommt jedoch an die Einstellmöglichkeiten von z.B. ADOBE LIGHTROOM nicht ran. LIGHTROOM wird dieses Format vermutlich ab dem nächsten Release verarbeiten können. Photo Pro bietet eine Konvertierung als TIFF 16bit, TIFF 8bit oder JPG an. Die 16bit Tiffs erreichen dabei eine Größe von 79 MB und sind somit alles andere als handlich.

Die SIGMA DP1 im Überblick!

Stärken
– hochwertiges Metallgehäuse
– großer Bildsensor (20,7 x 13,8 mm – Foveon X3 – CMOS)
– Objektiv 16,6 mm (28 mm äquivalent Kleinbildformat)
– sehr gute Bildqualität (tiff 16bit, tiff 8bit, JPG)
– leicht & handlich

Schwächen
– zu langsames Abspeichern im JPG- und RAW-Modus
– kein Zoomobjektiv
– kein Macromodus
– schwaches eingebautes Blitzlicht

Für wen ist die DP1
Kompakte Digitalkamera mit großem Bildsensor, Weitwinkel-Festbrennweite und sehr guter Bildqualität – mit diesen Eigenschaften ist die DP1 in meinen Augen die Kamera für die Fotografen, die eine Digitale-Kompaktkamera mit bestmöglicher Bildqualität suchen, vermutlich als Zweitkamera für eine bestehende DSLR Ausrüstung. Aufgrund des Weitwinkelobjektives schränkt sich der Nutzerkreis ein und wir werden unter den DP1 Usern wohl eher Landschafts- und Städtefotografen finden. Natürlich kann man mit einem 28mm Objektiv (äquivalent zu KB) auch Peoplefotografie betreiben, allerdings versetzt einen die langsame Bildrate zurück in die Analogzeit, als der Schnellspannhebel noch nicht erfunden war und der Film von Hand gekurbelt wurde. Kurzum, DP1 Fotografen benötigen Zeit, werden dafür aber mit einer tollen Bildqualität belohnt.

Für wen ist die DP1 nicht geeignet
Die DP1 ist kompromisslos.
Wer eine digitale Kompakt-Kamera für alle Fälle sucht, d.h.
– Zoomobjektiv von Weitwinkel bis leichtem Tele
– Macromodus
– Lichtempfindlich von 100 – 1600 ASA
– starkes Blitzlicht
– etc.

oder anders gesagt, eine eierlegende Wollmilchsau auf fotografischem Gebiet, der wird von der DP1 entäuscht sein. Die DP1 ist nichts für Menschen, für die ein möglichst breiter Anwendungsraum, schnelle Bildfolge und universelle Einsatzbarkeit wichtiger sind als Bildqualität. Der Hobyfotograf, der neben einem Blumenmakro am gleichen Tag die Abschlussfeier im Kindergarten festhalten möchte und abens noch bei beginnender Dunkelheit die Jubileumsfeier beim Griechen dokumentieren muss (mit Blitzlicht versteht sich) wird mit der DP1 verzweifeln und auf einen großen Teil seiner Bilder verzichten müssen.

Schlusswort
SIGMA hat mit dieser Kamera in meinen Augen Mut bewiesen und unabhängig von der Art des Bildsensors (ob nun Foveon oder Bayer Sensor) einen innovativen Schritt in die richtige Richtung getan – nämliche eine Kompakt-Kamera mit „großem“ Bildsensor zu entwicklen die eindeutig auf Bildqualität getrimmt ist. Damit hat sie ein Alleinstellungsmerkmal und wird seine Kunden finden – Fotografen die eine kleine Kamera suchen und denen Bildqualität an erster Stelle steht.  Bei der Speicherzeit wird SIGMA deutlich nachbessern müssen, ebenfalls bei dem schwachen eingebauten Blitz. Dann allerdings hat die DP1 das Potential einen Kultstatus zu erreichen – wenn die Konkurenz nicht nachzieht.

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4 Gedanken zu “Erfahrungsbericht SIGMA DP1

  1. Vielen Dank für Ihren Beitrag auf meine Frage.
    Eine ausgezeichnete Kamera-Rezension mit sehr angenehmen Realismus!
    MFG F Berger

  2. Konnte die Kamera auch 14 Tage lang bei deutschen Nebel/Herbstwetter teste.
    Und ?
    Die ganzen Schwächen wurden schon beschrieben, daher werde ich hier nicht darauf eingehen.
    Bilder/Bildqualität ?
    Eindeutig macht die DP1 ernüchternd gute und scharfe Fotos mit einer überraschen hohen Detailauflösung, bei sehr geringen Rauschen und sehr wenigen Komprimierungsartefakten. Die Festbrennweite ist Anfangs etwas ungewohnt, wenn man vom üblichen Telezoom einer OlympusE410 oder SD14 kommt. Was mir während des Tests negativ auffiel, war das „Überstrahlen“ bei Aufnahmen mit Sonnen (Gegenlicht) innerhalb des Bildes. Die Sd 14 hat diesen Effekt auch. Scheint vielleicht am Sensor zu liegen? Die Auslösezeit ist für mich okay. Nicht schnell, aber auch nicht wirklich langsam. Gehäuse ist übrigens nicht aus Metall, sondern aus Plastik.
    Fazit: Tolle Bilder – fast schon ein wenig surrealistisch – überraschend hohe Auflösung – durch die Bauweise sehr hohe Tiefenschärfe (sicher ein Vorteil einer kompakten Kamera). Sehr hohe Detailauflösung – feine Details wie Tannennadeln verschwimmen nicht im digitalen Brei – plastische Wiedergabe —->
    und wer sich die nicht ganz billige Kamera kauft, sollte wissen, was er kauft, und was er damit machen will –> nämlich: positiv ernüchternd gute Bilder !!!!!!! 🙂

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