Gedanken zum fotografische Stil


WIE FINDE ICH MEINEN FOTOGRAFISCHEN STIL
Diese Frage taucht unter Amateurfotografen regelmäßig auf und ich möchte verschiedenen Gedanken zu diesem Thema hier zusammentragen.

Folgende Fragen stehen dabei ebenfalls im Raum:
– Was versteht man unter einem Stil?
– Kann man eigentlich auch keinen Stil haben?
– Wie entdecke ich / wie entsteht ein eigener Stil?
– Ensteht ein eigener Stil bewußt oder unbewußt?
– Kann man auch mehrere Stile haben?
– Was hat Stil mit Marketing zu tun?

Was versteht man unter dem fotografischen Stil
Unter dem fotografischen Stil versteht man eine charakteristisch ausgeprägte Art der Ausführung der fotografischen Tätigkeit.
(Ausführl. Definition siehe WIKIPEDIA)

Eine  Erklärung zum Begriff Stil, wenn auch in diesem Fall Modestil, findet man auch beim Blättern in einer deutschen Frauenzeitschrift. BRIGITTE schreibt dazu in der Ausgabe 9, Mai 2011 folgendes:

„Ihr ganz persönlicher Stil ist wie ein genetischer Fingerabdruck, abhängig von Ihrem Geschmack, Ihrem Typ und Ihrer Biographie.“ 

Nun kann man davon ausgehen, dass jeder Mensch seine Tätigkeiten mit der ihm typischen charakterlichen Ausprägung ausführt, somit wäre die Frage nach dem Was versteht man unter dem eigenen Stil  eigentlich schon beantwortet, wenn auch nicht sonderlich befriedigend. Erhofft sich der Suchenden doch eigentlich unter dem Begriff des Eigenen Stils  eine hohe Wiedererkennbarkeit oder vielleicht sogar ein Alleinstellungsmerkmal.

Ob sich diese charakterliche Ausprägung allerdings auch in den Bildern wiederfindet ist eine andere Frage. In der Malerei scheint es einfacher zu sein. Ein Maler ist (von Fachleuten) an seiner Linienführung zu erkennen. Er hat sich oft einem Thema verschrieben das sich durch sein Leben zu ziehen scheint und ist einer bestimmten malerischen Ausdrucksweise (Surealismus, Impressionismus, etc.) zuzuordnen. Das ist allerdings auch nicht allgemeingültig und wem bei Paul Gauguin (franz. Maler 1848-1903) als Stil seine Südseebilder einfallen, der sollte mal seine frühreren Arbeiten betrachten (u.a. Keramiken und Holzschnitzereien) und prüfen inwieweit hier sein Stil so ohne Weiteres in allen Arbeiten entdeckt werden kann.

Bogenheimers Stil pder Thema?

Kann man eigentlich auch keinen Stil haben?
Wenn wir unter Punkt 1 die Definition betrachten, nämlich dass man unter dem fotografischen Stil eine charackteristisch ausgeprägte Art der Ausführung einer fotografischen Tätigkeit versteht, dann kann man eigentlich nicht keinen Stil haben.
Es kann natürlich sein, dass die charackteristisch ausgeprägte Art der Ausführung sehr farblos ist um nicht zu sagen langweilig, oder der Art und Weise entspricht, wie es tausende andere Fotografen auch tun. Dann hat man zwar einen Stil, aber keinen der einen von der Masse abheben lässt und einen zum fotografischen Individuum werden lässt.

The Comedian by Juri Bogenheimer

Wie entdeckte ich / wie entwickele ich einen eigenen Stil?
Wenn eine charackteristisch ausgeprägte Art der Ausführung die Antwort auf die Frage zum Stil ist, dann stellt sich für den Suchenden die Frage, was ihn charackteristisch ausmacht.
Es gibt sehr viele Tätigkeiten bei jedem Einzelnen, die unverkennbar dieser einen Person zugeordnet werden können. Ursächlich dafür ist die Biographie des Einzelnen, seine Einstellungen und seine Werte, die Grundlagen für die Art und Weise seines Handelns sind. Schauen wir uns als Beispiel den Kommunikationsstil eines Menschen an. Der kann offen, schüchtern oder ängstlich sein. Mitteilsam oder verschwiegen, dominant oder zurückhaltend. Möchte er seinen Kommunikationsstil glaubwürdig ändern, dann muss er Sich ändern, seine Einstellungen und vielleicht auch seine Werte.

Doch zurück zum fotografischen Stil.
Die Fotografie bietet dem Amateur die Möglichkeit ohne großes technisches Wissen (dank Automatikfunktionen) hervorragende Abbildungen der „Realität“ zu machen. Automatische Belichtungsmessungen inkl. Motivprogrammen lassen Bilder zu, die technisch betrachtet durchaus druckreif sind. Diese Bildqualität hat ein Niveau erreicht, von dem Amateure der 70er und 80er Jahre nur geträumt haben. Die Lernkurve bei Anfänger ist enorm und man orientiert sich oft an den Bildern anderer.

Hier liegt eine Ursache für das Fehlen des eigenen Stils, d.h. die Technik dominiert und man orientiert sich an den perfekten Bildern anderer Fotografen. Anders ausgedrückt; die eigene charackteristische Ausprägung, Einstellungen, Erfahrungen und Werte werden noch nicht mit in die eigene Fotografie und Themenwahl einbezogen. Die Konzeptfotografie ist z.B eine Möglichkeit zum Einbringen des eigenen Stils in die Bildergebnisse.

Stellen Sie sich einmal selbst die folgenden Fragen:
Was sind meine Werte, was treibt mich an im Leben?
Was ist mir wichtig, wofür kämpfen ich?
Gibt es einen roten Faden in meinem Tun?
Welche Botschaft möchte ich vermitteln?

Das Beherrschen der Technik dient nur dem Zweck Ihre Vorstellungen umsetzten zu können, hat aber mit einem eigenen Stil nichts zu tun. Sobald Sie aber die Fotografie, die Themen und die Herangehensweise in der Ihnen eignen Art durchführen, beeinflusst durch Ihre Biographie, Ihr subjektives Erleben und Ihre Werte, wird sich unweigerlich ein eigener fotografischer Stil einfinden, so wie das bei allen Ihren Tätikeiten der Fall ist, die Sie nicht fremdgesteuert ausführen.

Men are different by Juri Bogenheimer

Ensteht ein eigener Stil bewußt oder unbewußt?
Beide Varianten sind möglich und darüber hinaus auch Mischformen.
Die sich reflektierende Persönlichkeit kann bewusst Ihre Lebeneinflüsse in die Arbeiten einfließen lassen. Die fotografischen Arbeiten werden gezielt ausgewählt und entsprechend der eigenen Sichtweise und Erfahrungen umgesetzt. Aber auch die unbewußte Verarbeitung von (Lebens)Themen sind möglich.

Kann man auch mehrere Stile haben?
Der Anfangsthese zufolge „Was versteht man unter einem (Fotografischen)Stil“ kann man nicht mehrere Stile haben, es sei denn man agiert als gespaltene Persönlichkeit. Sehr wohl kann sich der Stil im Laufe des Lebens ändern, so wie man als Persönlichkeit Veränderung erfährt.

Der Begriff Stil sollte jedoch nicht mit dem Begriff Thema verwechselt werden. Viele Künstler behandeln über einen längeren Zeitraum ein Thema intensiv, bevor sie sich dann irgendwann einem neuen Thema widmen. Wer meint Thema sei gleich Stil und sich demnach nur auf ein Thema beschränkt um einen Stil zu haben, schränkt sich nur künstlich ein.

The Boxer by Juri Bogenheimer

Was hat Stil mit Marketing zu tun
Wiedererkennbarkeit, Kategorisierbarkeit oder kurzum den Wunsch alles in eine passende Schublade stecken zu können prägt viele Menschen. Dieses Bedürfniss kann man natürlich auch als Fotograf erfüllen, indem man sich ein populäres Thema nimmt und zu seinem Stil erklärt. Dadurch lässt sich eine Zielgruppe bedürfnissgerecht ansprechen was im optimalen Fall zu einem kommerziellen oder medialen Erfolg führt. Authentisch ist das dann allerdings nicht mehr und das merkt man dann oft an der Art der Arbeiten, denen ein gewisse Tiefe fehlen kann.

Mein eigener Stil
Wie würde ich nun meinen eigenen Stil beschreiben?
Der ist beeinflusst durch den Wunsch/Bedürfniss nach Harmonie, Nähe und Sicherheit. Natürlich findet sich das nicht in allen meinen Bildern, da ich auch manchmal rein handwerklich oder auftragsbezogen vorgehe. Mit diesem Hintergrund wird verständlich warum meine Portraits oder Aktaufnahmen eher gefällig wirken. Trash z.B. schaue ich mir gerne bei anderen an, wäre bei mir aber nicht wirklich authentisch.

Temptation by Juri Bogenheimer

Juri Bogenheimer
letzte Bearbeitung 11.08.2011

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9 Gedanken zu “Gedanken zum fotografische Stil

  1. Superinteressantes Thema wie ich finde! Ich finde auch, dass es eher etwas intimes ist, das was einen Antreibt, quasi das „Warum“. Ich glaube auch, dass das „Warum“ oder die „Triebfeder“ wie Du es nennst, relativ festgelegt ist. Die Frage ist zunächst, ob man weiß, was das ist was einen Antreibt, was die Triebfeder ist. Und wenn man es weiß, steht man vor dem Dilemma, dass das „Warum“ im Ganzen, oder auch teilweise, schwierig zu verbalisieren ist. Ich jedenfalls finde es schwierig einem Anderen das verbal zu kommunizieren, was mich Antreibt. Ich denke, die Ausgangsfrage „Wie entwickele ich einen eigenen Stil?“ ist eigentlich die Frage danach, wie ich es schaffe, das was mich wirklich antreibt, nonverbal in meinen Bildern ausdrücken. Ich wünsche mir jedenfalls für mich und meine Fotos; dass Menschen nonverbal verstehen, was ich nonverbal ausdrücken möchte. Darin liegt ganz Sicher auch der Wunsch, ganz tief verstanden zu werden.
    Wie gesagt, saucooler Artikel, den ich bestimmt demnächst nochmal und nochmal lesen werde. Ich finde die Frage nach Stil und Inhalten in der mittlerweile technisch sehr hochgezüchteten Digitalfotozeit sehr sehr wichtig und finde es schade, dass vielerorts Technik vor Inhalt kommt.

  2. Sehr interessante Gedanken die zwar offentsichtlich auf der Hand liegen, über die man sich aber nicht wirklich gedanken macht. Wie stehst Du zu der Frage: Entsteht oder entwickelt sich ein eigener Stil oder bekommt man den schon von Anfang an mit?

    Gruß
    Oli

    • Oli ich denke man bekommt von Anfang an etwas mit, im Rahmen der Sozialisation…..und dann entwickelt sich die Persönlichkeit weiter. Der eigene Stil, der eigeneTick, die Eigenart ist ja eigentlich bei fast jedem Menschen irgendwo auszumachen. Ob sich das bis ins fotografische durchsetzt und erkennbar wird ist natürlich auch von der jeweiligen „Eigenart“ abhängig. Gehört zum eigenen Stil z.B. eine ingenieurmäßige Gründlichkeit….so kann das im bild sichtbar werden, muss es aber nicht.

      • Danke für Deine Antwort. Klinkt plausiebel, ich werde es mal auf mich wirken lassen oder anders ich werde mal versuchen mich zu beobachten wie es weiter geht.
        Gruß
        Oli

  3. Jeder hat seinen Stil. Für mich bedeutet es, etwas zu mögen. Wenn ich Verbindung zur Natur und zu den Menschen habe, dann kommt schon der Stil heraus.
    Aber wie gesagt, da hat eben jeder seine Einstellung zu.
    Für mich sind Bilder ohne Ausstrahlung furchtbar langweilig, mögen sie noch so
    perfekt sein.
    Kennst Du die Amish? Sie fertigen perfekte Patchworkdecken an. Aber irgendwo ist
    immer ein kleiner Fehler versteckt, warum? Weil wir Menschen nicht perfekt sind.
    Danke für Deine langen Ausführungen.
    lieben Gruß

  4. Hmmm, sind interessante Ansätze drin. Dennoch frage ich mich selbst immer mal wieder, wie wohl andere mich beurteilen würden. habe ich meinen eigenen Stil? ich denke schon, aber ich könnte es nicht auf den Punkt bringen, worin der besteht, auch probiere ich selber immer noch rum, versuche mich an neuen, mir bisher unbekannten Techniken in der Bea etc… und doch glaube ich, dass auch ich einen Stil habe.

    Mich wundert es etwas, dass Du ebenso der Meinung bist, Deinen Stil zu haben, ihn aber nicht beschreiben kannst, kann man das nur bei anderen? und ist es denn dann überhaupt ein objektiver Stil, oder eben nur das eigene Mögen und subjektiv?

    Bin von Deiner FC-Profil-Seite hierher gestossen, schaue bestimmt mal wieder vorbei…

    lieben Gruss
    miriam [fc-user:1396196]

    • Hallo Miriam,

      ich bin mir meines Stils bewußt bzw. den Anteil der sich verbalisieren lässt.
      Als ich den Artikel schrieb und mit mehrfach die Frage nach meinem eigenen Stil gestellt wurde, wurde mir bewußt, dass das es sich um eine intime Frage handelt, die ich nicht bereit war offen zu legen. Denn es geht hier ja nicht um Vorlieben wie SW, Akt, oder Portrait, sondern die Triebfeder in mir.

      Bogi

      • Superinteressantes Thema wie ich finde!
        Ich finde auch, dass es eher etwas intimes ist, das was einen Antreibt, quasi das „Warum“. Ich glaube auch, dass das „Warum“ oder die „Triebfeder“ wie Du es nennst, relativ festgelegt ist. Die Frage ist zunächst, ob man weiß, was das ist was einen Antreibt, was die Triebfeder ist. Und wenn man es weiß, steht man vor dem Dilemma, dass das „Warum“ im Ganzen, oder auch teilweise, schwierig zu verbalisieren ist. Ich jedenfalls finde es schwierig einem Anderen das verbal zu kommunizieren, was mich Antreibt. Ich denke, die Ausgangsfrage „Wie entwickele ich einen eigenen Stil?“ ist eigentlich die Frage danach, wie ich es schaffe, das was mich wirklich antreibt, nonverbal in meinen Bildern ausdrücken. Ich wünsche mir jedenfalls für mich und meine Fotos; dass Menschen nonverbal verstehen, was ich nonverbal ausdrücken möchte. Darin liegt ganz Sicher auch der Wunsch, ganz tief verstanden zu werden.
        Also wie gesagt, saucooler Beitrag, und da ich das Thema sehr spannend finde werde ich Deinen Beitrag demnächst bestimmt nochmal und nochmal lesen 🙂 ich denke dass die Frage nach Stil und Inhalten in Bildern bei unserer hochtechnisierten Digitalkameralandschaft heute sehr stark in den Hintergrundgerät. Viel Technik, wenig Inhalte würde ich mal zusammenfassend. Sehr schade eigentlich!

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